Anspruch des Arbeitnehmers auf Zahlung von Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB* bei Verzug des Arbeitgebers mit der Entgeltzahlung?

Aktuelles Grundsatzproblem entschieden

(18.10.2018)

 

-> Ein aktuelles Grundsatzproblem der Instanzrechtsprechung ist jetzt zwar höchstrichterlich entschieden, aber mE nicht ausreichend geklärt und begründet.

Durch den nachträglich - zumindest nach 2012 - ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügten Absatz 5 in § 288 BGB, sollte ein verbesserter Verbraucherschutz erreicht werden. Nachdem die ersten Arbeitsrechtler daraus eine bedarfsgerechte Rechtsgrundlage für die Geltendmachung der Verzugsfolgen bei verspäteter Lohnzahlungn entdeckt hatten, entfachte ein Grundsatzstreit in den Instanzen, ob das im arbeitsgerichtlichen Verfahren herrschenden Prinzip der  fehlenden wechselseitigen Kostenerstattung - in § 12a ArbGG - , nicht vorrangig wäre. Demnach  als die "speziellere" Norm im Arbeitsrecht, den allgemeinen Rechtsgedanken im § 288 V BGB verdrängen sollte. Denn bislang war im arbeitsrechtlichen Verfahren unstreitig, das jede Partei nur seine eigenen Auslagen + Kosten (namentlich die Anwaltshonorare) zu tragen und nicht die Kosten der Gegenseite im Unterliegensfalle zu tragen habe.

Auch hier waren die Instanzen (Arbeits- und Landesarbeitsgericht)zunächst  anderer Auffasung als das höchste deutsche Arbeitsgericht. Eine - für die klagenden Arbeitnehmer - wilkommene "Änderung" hat sich jetzt in Luft aufgelöst. Nach wie vor, kann der seinem Monatslohn nachlaufende Arbeitnehmer bei seinem "Chef" keine pauschaliserten Verzugszinsen geltend machen. Er muß sich damit begnügen, überhaupt - wenn auch - verzügert sein Gehalt zu erhalten. § 288 Absatz 5 BGB gelte zwar auch im Arbeitsrecht im Verzugsfalle des Monatsgehaltes, werde aber vom Rechtsgedanken den § 12a ArbGG verdrängt.

Wenn § 288 Abs. 5 BGB - auch - im Arbeitsrecht gelten soll, aber nicht dann wenn dadurch dem Arbeitgeber daduch zusätzliche Kosten auferlegt würden, wenn denn dann?

 

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BAG - PM -> Nr. 46/18 

 

Die Parteien streiten in der Revision noch über die Zahlung von Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB.

Der Kläger ist langjährig bei der Beklagten beschäftigt. Er hat diese auf Zahlung rückständiger Besitzstandszulagen für die Monate Mai bis September 2016 in Anspruch genommen. Zudem hat er von der Beklagten wegen Verzugs mit der Zahlung der Besitzstandszulage für die Monate Juli bis September 2016 die Zahlung von drei Pauschalen à 40,00 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB verlangt. Insoweit hat er die Ansicht vertreten, § 288 Abs. 5 BGB sei auch im Arbeitsrecht anwendbar. Die Beklagte hat demgegenüber im Wesentlichen eingewandt, § 288 Abs. 5 BGB sei im Arbeitsrecht gemäß § 12a ArbGG ausgeschlossen. Zudem lägen die Voraussetzungen des § 288 Abs. 5 BGB nicht vor, da sie sich nicht schuldhaft in Verzug befunden habe.

Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Die Revision der Beklagten, mit der diese sich gegen ihre Verurteilung zur Zahlung der Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB wendet, war vor dem Achten Senat des Bundesarbeitsgerichts erfolgreich. Der Kläger hat keinen Anspruch auf die geltend gemachten Pauschalen. Zwar findet § 288 Abs. 5 BGB grundsätzlich auch in Fällen Anwendung, in denen sich der Arbeitgeber mit der Zahlung von Arbeitsentgelt in Verzug befindet. Allerdings schließt § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG als spezielle arbeitsrechtliche Regelung nicht nur einen prozessualen Kostenerstattungsanspruch wegen erstinstanzlich entstandener Beitreibungskosten, sondern auch einen entsprechenden materiell-rechtlichen Kostenerstattungsanspruch und damit auch den Anspruch auf Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB aus.

 

 Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25. September 2018 - 8 AZR 26/18 -
Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 10. Oktober 2017 - 8 Sa 284/17 -
 

 

*§ 288 BGB Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden
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(5) Der Gläubiger einer Entgeltforderung hat bei Verzug des Schuldners, wenn dieser kein Verbraucher ist, außerdem einen Anspruch auf Zahlung einer Pauschale in Höhe von 40 Euro. Dies gilt auch, wenn es sich bei der Entgeltforderung um eine Abschlagszahlung oder sonstige Ratenzahlung handelt. Die Pauschale nach Satz 1 ist auf einen geschuldeten Schadensersatz anzurechnen, soweit der Schaden in Kosten der Rechtsverfolgung begründet ist.